Bundesinnenministerium verdächtigt China offenbar der Industriespionage

19.8.2019. | Spiegel Online

„Dient dem illegitimen Wissenstransfer“: Das Bundesinnenministerium vermutet laut einem Zeitungsbericht, dass China deutsche Unternehmen in großem Stil ausspäht. Nun soll es eine Kontaktstelle zur Cybersicherheit geben.

Ende 2018 beschuldigten US-Behörden China der Industriespionage. Hacker sollen in staatlichem Auftrag Computersysteme infiltriert haben, Peking protestierte gegen die Vorwürfe. Nun hat auch das Bundesinnenministerium der chinesischen Regierung laut einem Zeitungsbericht mutmaßliche Wirtschaftsspionage vorgeworfen – im Rahmen ihrer Strategie „Made in China 2025“.

Hochtechnologieunternehmen und Weltmarktführer stünden häufig im Fokus von mutmaßlich chinesischer Cyberspionage, sagte ein Ministeriumssprecher dem „Handelsblatt“.“Das Aufklärungsinteresse chinesischer Nachrichtendienste orientiert sich erkennbar bei der Beauftragung oder Durchführung von Cyberangriffen an nationalen und globalen Initiativen der chinesischen Regierung und dient so auch dem illegitimen Wissenstransfer zur Stärkung ausgewählter chinesischer Wirtschaftsbereiche“, lautet der Zeitung zufolge der Vorwurf. So seien weltweit regelmäßig Unternehmen der in der chinesischen „Made-in-China 2025“-Strategie benannten Branchen betroffen.

Kontaktstelle zur Cybersicherheit soll eingerichtet werden

2016 hatten sich Berlin und Peking auf jährliche hochrangige Treffen zur Cybersicherheit verständigt. Am 20. August solle es eine Fortsetzung der Gespräche in Peking geben, berichtete das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Regierungskreise. Das Blatt berichtet zudem unter Berufung auf einen Ministeriumssprecher, dass bei den deutsch-chinesischen Cybersicherheitskonsultationen auch eine Kontaktstelle für den schnellen Austausch von Informationen zur Cybersicherheitslage eingerichtet werden soll.

China verfolgt mit der „Made-in-China 2025“-Strategie das Ziel, in den nächsten Jahren zum Technologieführer in mehreren Schlüsselbereichen zu werden. Auch Wirtschaftsvertreter sind davon überzeugt, dass Peking bei der Verfolgung seiner Strategie auch Cyberspionage anwende. „China verfolgt seine Fünf-Jahres-Pläne sehr strukturiert“, sagte Gunnar Siebert, Chef der Deutschen Cybersicherheitsorganisation (DCSO), dem „Handelsblatt“. Neben dem Aufkauf strategisch bedeutender Unternehmen wie dem Roboterbauer Kuka spiele die Wirtschaftsspionage für das Regime in Peking eine wichtige Rolle – „bevorzugt digital“, wie der Manager betont.

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