China und Industriespionage – der Westen wehrt sich

1.10.2019. | FinanzmarktWelt

Neben dem Handelskrieg ist der Vorwurf der US-Regierung an den Herausforderer, geistiges Eigentums zu stehlen, einer der zentralen Punkte in der Auseinandersetzung

Neben der großen Auseinandersetzung um das große Handelsbilanzdefizit zwischen den USA und China gibt es ein zweites großes Thema, nämlich den Vorwurf der US-Regierung an den Herausforderer des Diebstahls geistigen Eigentums. Dieser ist Teil der chinesischen Wachstumsstrategie und vielen Staatenlenkern bekannt, man verdrängte diese Tatsache bisher nur, um nicht den Zugang zu diesem riesigen Markt zu verlieren. Jedoch sind die Schäden durch die allgegenwärtige Industriespionage nicht mehr zu übersehen, wie eine Reportage auf ARTE deutlich gemacht hat.

China – der rasche Aufstieg im Industriesektor

Der unheimliche Aufstieg Huaweis hat das Fass vielleicht zum Überlaufen gebracht. Der chinesische IT-Riese, dessen Chef Ren Zhengfei einst im Forschungszentrum der Volksbefreiungsarmee arbeitete, strebt im Bereich der modernen Kommunikation mit der Produktion von Mobiltelefonen, von Funknetzen (5G), Netzwerk-Infrastrukturen und Cloud Computing u.w. nach der Vorherrschaft. Seit geraumer Zeit bezichtigt die USA den Emporkömmling ganz offen der Spionage und erhebt erhebliche Einschränkungen im Handel mit dieser Firma.

Nicht nur die Amerikaner fürchten die chinesische Spionage in vielen Wirtschaftsbereichen, mittels der sich die Chinesen jede Menge Entwicklungskosten ersparen, um dann mit billigen Arbeitskräften zu produzieren. Eine Reportage auf ARTE (Rote Spitzel – China und die Industriespionage) zeigt eine Entwicklung, die bereits schon Jahrzehnte andauert, aber den Westen jetzt zu Widerstand fordert. Ein paar Kernaussagen:

  • China ist 2001 der Welthandelsorganisation WTO beigetreten. Es hat die Regeln zum Schutz geistigen Eigentums akzeptiert, hält sich aber nicht daran.
  • Bereits in den 90-er-Jahren startete es in großem Ausmaß mit den Hochgeschwindigkeitszügen. Nach Beschaffung des technologischen Know-Hows (man bestand auf Endfertigung in China) erstellte man anschließend eigene Patente und reinigte sich damit vom Vorwurf des Diebstahls geistigen Eigentums.
  • Viele Beispiele gibt es auch im Automobilsektor und im Flugzeugbau. Airbus meldete 2007 einen A 320 als vermisst, der aber später auf einem Flughafen wiederentdeckt wurde. Der entwickelte chinesische Prototyp ähnelte dem europäischen Modell mehr als deutlich. Bemerkung eines Ingenieurs: „Die fetten Jahre für Airbus sind wohl vorüber.“
  • Derzeit locken die Chinesen viele ausländische Forscher mit viel Geld nach China. Man nennt es 1000 Leute-Programm. Unter dem Deckmantel der Wissenschaft will man dadurch an das ausländische Wissen und dabei Tausende von Ingenieuren und Fachleute ausbilden.
  • Sandkorntechnik ist ein Begriff für das unermüdliche Sammeln von Informationen, mit den Methoden der raffinierten Verträge mit ausländischen Firmen, mit dem Kauf von Firmen (Kuka war in Deutschland so etwas wie ein Weckruf) und mit Spionage. Diese Daten werden dann in China von einer Unzahl von Spezialisten ausgewertet.
  • Der chinesische Drache ist unersättlich. Europäische Politiker und Unternehmer waren verblendet von der Größe des chinesischen Marktes.
  • Der deutsche Geheimdienst schätzt die Kosten der Spionage allein im Bereich des Maschinenbaus auf 50 Milliarden Euro jährlich.

China und der Clash of Civilisations: Ein guter Schüler ist der, der seinen Meister kopiert. Nicht bei uns, aber der Westen scheint aufgewacht zu sein.

Fazit

Der chinesische Drang nach westlichem Wissen und Technolgie hat bereits viele Jahre gewütet und einen gigantischen Aufschwung ermöglicht. Die vielen betroffen Ländern haben lange weggesehen, weil man den Riesenmarkt mit 1,4 Milliarden Menschen nicht gefährden wollte.

Sollte man jetzt der US-Regierung mit ihrem polternden Präsidenten tatsächlich einmal für eine Sache dankbar sein?

Und soll eine Nation, die ihre Bevölkerung knechtet, überwacht und die Menschenrechte missachtet, wirklich zur führenden Weltmacht werden?

Der Westen will anscheinend nicht mehr akzeptieren (noch nicht in allen Ländern), dass in der Wirtschaft mit gezinkten Karten gespielt wird. Ein Beispiel dafür ist auch die Änderung des deutschen Außenwirtschaftsgesetzes.

So haben Chinas Firmen laut der Berechnungen der Beratungsfirma E&Y in Europa im ersten Halbjahr nur noch 2,1 Milliarden Euro für Firmenkäufe und -beteiligungen in Europa ausgegeben, ein Rückgang von über 80 Prozent im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2018 – was aber zu einem großen Teil auch auf die Wachstumsschwäche im eigenen Land zurückzuführen sein dürfte.

 

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